Edition Schöne Bücher

15. und 16. Dezember

Ihr seid vermutlich auch im Weihnachtrubel: Plätzchen backen, Weihnachtsmarkt besuchen, Geschenke basteln oder malen …

Deshalb gibt es jetzt für heute und morgen eine kleine Geschichte über meine Begegnung mit der Weihnachtskatze.

Ich habe die Weihnachtskatze flüchtig im Hof kennen gelernt. Sie ist riesig und schwarz und hat ein weißes Lätzchen an. Am nächsten Tag habe ich sie besucht, also eigentlich wollte ich sie mir nur mal aus der Nähe ansehen. Wie ein Kringel lag sie auf dem Sessel im Wohnzimmer des Weihnachtsmannes. Ganz in Gedanken beobachtete ich sie als sie plötzlich tief ausatmete und herzhaft gähnte. Du liebe Zeit waren das große Zähne! Ich machte sich so klein, wie ich nur konnte. Aber die Katze hatte mich bereits entdeckt. Mit großen grünen Augen begutachtete sie mich.

Weihnachtskatze
»Hoffentlich hat sie keinen Hunger«, dachte ich nur. »Wenn sie für einen Augenblick die Augen zumacht, kann ich mich hinter dem Sessel nach draußen schleichen. Komm, liebe Miezekatze, sei noch ein bisschen müde.«
»Na, dich habe ich doch schon einmal gesehen«, sagte die Weihnachtskatze. Ihre Stimme klang weich und erinnerte ein wenig an Schnurren.
»Ich wusste gar nicht, dass Mäuse und Katzen miteinander reden können,« antwortete ich.
»Das können auch nicht alle Katzen. Aber ich bin die Weihnachtskatze. Das ist etwas Besonderes.«
»Aha«, sagte ich. Aber auch wenn die Weihnachtskatze freundlich sprach, blieb sie eine Katze. Und Katzen fressen nun mal Mäuse, das hatte man mir schon vor dem Kindergarten beigebracht. Ich überlegte fieberhaft, wie ich wieder verschwinden könnte.
Die Weihnachtskatze grinste freundlich. »Du brauchst keine Angst zu haben. Erstens fresse ich selten Mäuse, weil ich hier hervorragendes Futter bekomme, und zweitens habe ich ganz gerne ein bisschen Gesellschaft.«
»Wirklich?«, fragte ich
»Ja«, antwortete die Weihnachtskatze. »Vor Weihnachten sind alle sehr beschäftigt. Niemand hat Zeit, mit mir zu spielen oder mich zu streicheln «, klagte sie und leckte sich die Pfötchen. »Nach Weihnachten ist es wieder besser.«
»Für mich hat heute auch keiner Zeit«, erzählte ich ihr. »Alle sind unterwegs und helfen den Anderen. Mir war stinklangweilig, deshalb bin ich herunter gekommen. Aber ich wollte dich auch kennenlernen. Ich finde es wirklich klasse, dass wir miteinander reden können. Du kannst mir bestimmt viel über den Weihnachtsmann und die Weihnachtsfrau erzählen?«
»Langsam, langsam«, sagte die Weihnachtskatze. »Das ist wohl dein erstes Weihnachtsfest?«
»Ja. Und ich habe auch schon einen Wunschzettel geschrieben. Den habe ich mit meinem Papa in den Briefkasten geworfen. Dabei haben wir den Weihnachtsmann und seine Frau belauscht, wie sie sich über die Wunschzettel der Kinder unterhalten haben.«
»Ja, ja, die Wunschzettel!«, seufzte die Weihnachtskatze. »Deshalb sind ja alle so beschäftigt. Und für den Weihnachtsmann kommt‘s am Vierundzwanzigsten noch dicker. Da muss er die Geschenke zu den Kindern bringen; alle Geschenke zu allen Kindern wohlgemerkt. Ohne die Rentiere und Magie ginge das gar nicht.«
Ich lauschte andächtig. Die Weihnachtskatze wusste Bescheid, das war klar. »Von den Rentieren habe ich schon gehört. Aber was ist Magie?«
»Magie«, sagte die Weihnachtskatze, wobei sie das Wort genüsslich dehnte, »Magie kannst du nicht sehen, die spürst du am Besten. Wenn die Kerzen am Weihnachtsbaum entzündet werden und alle sich mit glänzenden Augen »Frohe Weihnachten« wünschen, dann liegt sie fast greifbar in der Luft.«
Die Weihnachtskatze seufzte tief, lies ihren Kopf auf die Vorderpfoten sinken und war eingeschlafen.
»Eine nette Katze«, dachte ich und ging wieder nach Hause.

Bis morgen, deine Josephine

Jo-in-Latzhose