Edition Schöne Bücher

20. Dezember

Heute waren wir zum ersten Mal beim Wichtelchor. Ragna, die nette Wichtelfrau, erwartete uns an der Haustür und führte uns in den Gemeinschaftsraum. Hier hatten sich bereits alle um den Dirigenten versammelt. Im Hintergrund stimmten drei Musiker ihre Gitarren.
»Hier kommt unsere stimmgewaltige Verstärkung«, kündigte Ragna die Mäusekinder an.
»Sehr gut«, freute sich Lars, der Dirigent. »Dann wollen wir mit unseren Lockerungsübungen beginnen. Wir stellen uns aufrecht, die Füße etwa hüftbreit auseinander, die Knie leicht gebeugt. Die Wirbelsäule aufgerichtet, Schultern locker, die Arme hängen einfach herunter. Die Augen schauen geradeaus. Dann schwingen wir die Arme leicht vor und zurück und wippen in den Beinen: vor und zurück, vor und zurück. Wir atmen tief ein und stellen uns dabei vor, unser Bauch ist ein Luftballon, den wir aufblasen. Dann atmen wir tief aus und lassen die Luft aus dem Ballon einweichen. Dabei liegen unsere Lippen leicht aufeinander, sodass beim Ausatmen ein Ffff-Laut entsteht.«
»Wie soll ich die Beine schwingen? Und wo ist mein Luftballon?«, fragte Linda. »Ich habe noch gar keinen bekommen.«
»Du kriegst auch keinen! Du sollst es dir nur vorstellen«, erklärte ihr Florian.
Inzwischen war der Chor aber schon beim Vokal-Singen. »A – E – I – O – U«, tönte es aus allen Wichtelkehlen, gefolgt von ›la la la la la‹ in einer Welle von tiefen Tönen zu hohen Tönen und wieder zurück. Linda schaute mit großen Augen von Florian zu mir. Sie schüttelte den Kopf und beschloss, still auf einen Zeitpunkt zu warten, an dem sie mitmachen konnte.
Plötzlich waren alle still. Ein Wichtel drückte uns ein Textblatt in die Hand, der Dirigent erhob den rechten Arm und gab den Musikern den Takt vor. Dann schaute er seinen Chor an, nickte, und die Wichtel begannen zu singen. Eine Strophe und den Refrain hörten wir nur zu. Aber die Melodie war sehr einprägsam und der Text nicht schwer, sodass wir bei der Wiederholung des Refrains schon mitsingen konnten. Lars lächelte aufmunternd. Wir sangen das Weihnachtshaus-Lied mehrfach hintereinander, damit sich alle den Text und die Melodie merken konnten. Dann gab es eine kleine Pause und ein Glas Saft für jeden.
»Wollt ihr denn am Weihnachtsabend mitsingen?«, fragte Ragna.
»Vor dem Weihnachtsmann und der Weihnachtsfrau?«
»Ja«, sagte Ragna. »Und vor den Rentieren und allen anderen Bewohnern des Anwesens.«
»Das wäre superklasse!« Nur Linda druckste ein wenig herum: »Ich weiß nicht, ob ich das kann. Ich habe ja auch meinen Luftballon nicht gefunden.«
Florian und ich giggelten los. Das war typisch für Linda. Bei längeren Anweisungen kam sie vor Aufregung meistens durcheinander.
»Das konntest du ja auch gar nicht«, erklärte Ragna langsam. »Du solltest doch nur so tun, als wäre dein Bauch ein Luftballon, den du aufbläst.«
Man konnte fast hören, wie Linda diese Erklärung verdaute. Dann grinste sie und sagte lässig: »Ach so, das geht schon. Dann singe ich auch mit.«
»Fein«, sagte Ragna wuschelte durch Lindas Fell. Dann liefen sie zurück an ihre Plätze, und die Chorprobe ging weiter. Wir sangen noch viele Weihnachtslieder, auch einige, die wir aus dem Kindergarten bereits kannten. Zum Abschluss schmetterten sie noch einmal das Weihnachtshaus-Lied. Jetzt freue ich mich schon auf das Weihnachtskonzert.
Willst du auch das Weihnachtshaus-Lied singen? Du kannst dir den Text und Noten für das Weihnachtshaus-Lied herunterladen, und das Lied kannst du dir gleich hier anhören:

Ich wünsche dir viel Spaß beim Singen,
deine Josephine

Jo-in-Latzhose

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