Edition Schöne Bücher

23.Dezember

Und um die Wartezeit bis zur Bescherung zu verkürzen,  erzähle ich dir die Geschichte von Rudolf Rotnase so wie er sie mir und Linda in seinem Stall erzählt hat:

Josephine und Linda im Stall

Josephine und Linda im Stall

>Rudolf begann: »Wir waren eine große Rentierfamilie, meine Eltern, meine vier Geschwister und ich. Ich war der Jüngste und fast immer brav und freundlich, aber auch sehr neugierig. Ich wollte immer alles wissen und steckte meine Nase überall hinein. Manchmal wurde daraus ein großer Spaß, manchmal auch nicht.
Tja, und meine Nase hatte und hat es noch heute wirklich in sich. Immer wenn ich sehr aufgeregt war, begann sie knallrot zu leuchten – fast wie eine rote Glühbirne. Es war ganz egal, ob ich fröhlich-aufgeregt oder zornig-aufgeregt war – meine Nase leuchtete! Das ist auch heutzutage noch ganz genauso.
Meine Eltern und Geschwister fanden es lustig, wenn meine Nase glühte. Aber schon im Rentierkindergarten wurde ich oft zum Gespött der anderen Rentierkinder. ›Rudolf mit der roten Nase, das ist der Rudolf Rotnase!‹, riefen sie.« Rudolf machte eine kleine Pause.
»Oh, du Armer!«, sagte ich. »Das war bestimmt ganz schrecklich!« Linda nickt zustimmend.
»Ja, das war es. Aber erst in der Rentierschule! Ich versuchte ich mit allen Mitteln meine Nase zu verstecken, aber ich schaffte es immer nur für eine kurze Zeit. Einmal malte ich sie mir vor der Schule mit schwarzer Farbe an, damit sie wie eine gewöhnliche Rentiernase aussah. Als ich dann in der großen Pause auf dem Schulhof mit den andern Rentieren ›Verstecken‹ spielte, freute ich mich riesig, dass mich niemand entdeckt hatte. Sofort begann meine Nase so zu glühen, dass die schwarze Farbe abblätterte. Glaubt mir, meine Nase war von einer Glühbirne nicht zu unterscheiden.«
Wir kicherten, und Rudolf lächelte uns zu.
»Ein anderes Mal stülpte ich mir ein schwarzes Gummikäppchen über meine Nase. Aber meine Freude über diese »normale« Nase war nur sehr kurz. Zum einen konnte ich bloß durch den Mund atmen, was auf Dauer gesehen nicht sehr angenehm ist. Zum anderen hörte es sich an, als hätte ich eine Wäscheklammer auf der Nase. Als ich die ersten Kinder auf dem Schulweg traf, die mir einen ›Guten Morgen!‹ wünschten, antwortete ich: ›Hanno, guden Borgen!‹, und wurde laut schallend ausgelacht. Da lief ich wieder nach Hause. Ich weinte und war sehr zornig aber auch traurig. Aber meine Eltern und Geschwister trösteten mich so gut es ging. Und dann war es wieder soweit:

Der Weihnachtsmann suchte sich jedes Jahr Rentiere für seinen Weihnachtsschlitten aus. Jedes Rentier konnte sich bewerben. Sie bürsteten ihr Fell und putzten ihr Geweih, damit sie besonders gut aussahen. Auch Rudolf putzte sich heraus. Er striegelte sein Fell, bis es seidig schimmerte, und polierte sich das Geweih blank spiegelblank. Rudolf hoffte sehr, dass der Weihnachtsmann ihn auswählen würde, denn er war nicht nur hübsch, sondern auch groß und kräftig.<

Hat es dir bis hierher gefallen? Dann kannst du morgen die Fortsetzung lesen.

Bis dann, Josephine

 

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